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· Tagespflege Cadenberge

„Man muss raus unter Menschen“

Wenn Hannelore Opitz morgens um kurz nach halb acht in Otterndorf abgeholt wird, beginnt für die fast 90-Jährige ein Tag, auf den sie sich jedes Mal freut.

Zweimal in der Woche fährt sie gemeinsam mit weiteren Gästen aus Otterndorf und Belum zur DRK-Tagespflege nach Cadenberge. Dort erwartet sie nicht nur ein abwechslungsreiches Programm, sondern vor allem ein harmonisches Miteinander.
„Wir sind immer sehr lustig im Bus“, erzählt sie mit einem Lächeln. Dass sie heute regelmäßig die Tagespflege besucht, verdankt sie ihrer jüngsten Tochter. Nach mehreren Krankenhausaufenthalten befand sich Hannelore Opitz in einer schwierigen Phase. „Du musst raus. Immer nur drinnen sitzen – das geht so nicht“, hatte ihre Tochter gesagt und kurzerhand einen Schnuppertag in der DRK-Tagespflege vereinbart.
Eine Entscheidung, die Hannelore Opitz bis heute nicht bereut. „Es hat mir auf Anhieb gefallen. Es ist hier sehr familiär.“ Zunächst besuchte sie die Tagespflege nur donnerstags, wenig später kam der Montag hinzu.
Dabei war die gebürtige Breslauerin ihr Leben lang ein Mensch, der mitten im Geschehen stand. Sie engagierte sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde, war Schriftführerin im Reitverein und leitete viele Jahre eine Parkinson-Selbsthilfegruppe. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie zudem drei Geschäfte in Otterndorf und trug Verantwortung für rund 30 Mitarbeitende.
Auch ihre enge Verbundenheit zum Deutschen Roten Kreuz reicht weit zurück. Als Siebenjährige musste sie aus Breslau fliehen. Noch heute erinnert sie sich an die eindrucksvollen Begegnungen mit den Helferinnen des Roten Kreuzes. „Meine Mutter hängte mir ein Schild mit unserer Adresse um den Hals und sagte: Wenn du verloren gehst, dann wende dich an die Frauen mit dem Roten Kreuz.“ Inmitten des Chaos versorgten die Helferinnen die Flüchtlinge mit heißer Milch und Brühe und kümmerten sich auch um kranke Kinder. Später fand die Familie über den Suchdienst des Roten Kreuzes den Vater und die Schwester wieder. „Das hat mich geprägt. Wir waren immer Mitglied beim Roten Kreuz und mein Sohn hat später sogar seinen Zivildienst dort gemacht.“
Heute erlebt Hannelore Opitz das DRK erneut als verlässlichen Helfer. Die Tagespflege bietet ihr nicht nur Struktur und Gesellschaft, sondern auch eine Betreuung, die sich individuell an den Bedürfnissen der Gäste orientiert. Als Diabetikerin weiß sie das besonders zu schätzen. Während andere nachmittags Kuchen genießen, erhält sie ein Käsebrot, bei den Zwischenmahlzeiten wird ihr Gemüse statt Obst angeboten. „Auf alles wird Rücksicht genommen.“
Überhaupt fühlt sie sich rundum gut versorgt. Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffee und kleine Zwischenmahlzeiten gehören selbstverständlich dazu. „Das Essen ist hier sowieso spitze“, schwärmt sie. Täglich werde frisch gekocht. „Und ständig fragt jemand, ob ich noch etwas trinken möchte. Auch auf die Medikamenteneinnahme wird geachtet. Alle sind so aufmerksam und geduldig.“
Gemeinsam werden Kartoffeln oder Gemüse geschält, Geschirrhandtücher zusammengelegt, gespielt, gesungen oder gebastelt. „Das hält fit“, ist Hannelore Opitz überzeugt. Besonders schätzt sie, dass die Wünsche der Gäste ernst genommen werden. „Im Grunde bestimmen wir das Programm mit. Wenn wir lieber singen möchten, dann singen wir. Wenn jemand keine Lust auf Gesellschaftsspiele hat, kann er sich auch zurückziehen und beispielsweise lesen. Es wird niemand zu irgendetwas gedrängt.“ Doch meistens stecke das Lachen der anderen an. „Dann werden auch die Ruhigen neugierig und machen doch mit“, schmunzelt sie.
Auch bei den Mahlzeiten werden Anregungen gerne aufgenommen. „Heute Morgen habe ich gesagt, dass ich mir mal wieder Fleischsalat und Quark wünsche. Sofort hieß es: Das machen wir.“
Ein großes Lob hat sie auch für das Team der Tagespflege. „Ich habe den Eindruck, dass sich alle untereinander sehr gut verstehen. Sie arbeiten Hand in Hand. Alles läuft ganz ruhig und selbstverständlich.“ Selbst Praktikantinnen und Praktikanten würden herzlich eingebunden. „Kürzlich war ein junger Mann hier. Es hat richtig Freude gemacht zu sehen, wie engagiert er war und wie schnell er gelernt hat.“
Neben der Tagespflege nutzt Hannelore Opitz weitere Angebote des DRK: An den Tagen, an denen sie zu Hause bleibt, bestellt sie ihr Mittagessen gerne auch mal beim Menüservice. Einmal wöchentlich kommt jemand vom DRK-Pflegedienst Samtgemeinde Hadeln, um sie beim Haarewaschen und Duschen zu unterstützen. Außerdem gibt ihr der Hausnotruf vom Roten Kreuz zusätzliche Sicherheit. Zweimal hat sie ihn bereits benötigt. „Die Mitarbeitenden bleiben am Telefon, bis Hilfe da ist. Und wenn man den Knopf aus Versehen drückt, sagen sie immer ganz freundlich: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.“
Mit Pflegegrad 2 kann sie die Leistungen gut finanzieren. Das Pflegegeld deckt nach ihrer Erfahrung sowohl die Tagespflege als auch die Unterstützung vom Pflegedienst weitgehend ab. Für den Hausnotruf erhält sie zusätzlich einen Zuschuss der Pflegekasse.
Im kommenden April feiert Hannelore Opitz ihren 90. Geburtstag. Geistig ist sie ausgesprochen fit, erledigt vieles noch selbstständig, geht gerne über den Wochenmarkt, liebt Handarbeiten und Gesellschaftsspiele. Aber auch für die Zukunft hat sie bereits vorgesorgt und sich auf die Interessentenliste des DRK-Seniorenheims Haus Am Dobrock setzen lassen, das sich in direkter Nachbarschaft zur Tagespflege befindet. „Das fühlt sich dann schon alles so vertraut an“, sagt sie.

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