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· Altenheim am Schlossgarten

Farben, Katzen und ein gemeinsamer Weg

Als Bernd Sengelaub und seine Frau Inse Georgi-Sengelaub im vergangenen Jahr ein Zweizimmerappartement im Cuxhavener DRK-Altenheim am Schlossgarten bezogen, war das für das Ehepaar mehr als nur ein Umzug.

Es war ein Einschnitt – und zugleich ein neuer gemeinsamer Lebensabschnitt, getragen von Erinnerungen, Kunst und einer großen Portion Zusammenhalt.
Kennengelernt haben sich die beiden im Juni 1995 – und zwar über einen Kater. Der erkrankte Mirko war von Bernd Sengelaub zur Genesung in ein Cuxhavener Zoofachgeschäft gebracht worden, dessen Eigentümerin die Freundin seiner heutigen Frau war. Aus dieser Begegnung entwickelte sich rasch mehr: Bereits im Juni des Folgejahres zogen sie zusammen – mitsamt ihrer Katzen. Jeder brachte drei mit in die neue Gemeinschaft.
Katzen spielten über all die Jahre eine zentrale Rolle im Leben des Paares. Immer wieder nahmen sie herrenlose Tiere bei sich auf, zeitweise lebten bis zu elf Katzen mit ihnen im Altenwalder Eigenheim. „Sie gehörten einfach zu uns“, sagt Inse Georgi-Sengelaub rückblickend.
Zur Malerei fand Bernd Sengelaub vergleichsweise spät – und gerade das macht seine künstlerische Laufbahn so bemerkenswert. Begonnen hat er im Jahr 1997, im Alter von 57 Jahren. Ausschlaggebend war ein gemeinsamer Besuch mit seiner Frau in Worpswede. Sie selbst stammt aus einem kunstinteressierten Elternhaus, für ihn wurde dieser Ausflug zum Wendepunkt. Zuvor hatte Sengelaub als Glas- und Gebäudereiniger gearbeitet. Die körperlich sehr beschwerliche Tätigkeit führte schließlich dazu, dass er sich bereits in Frührente befand – und plötzlich Raum entstand für etwas Neues.
Ihr Mann sei Autodidakt, erzählt Inse Georgi-Sengelaub. Lediglich ein halbes Jahr habe er montags Unterricht bei Maler in Osten genommen. Vieles habe er sich jedoch selbst beigebracht – vor allem durch das Kopieren bekannter Künstler wie Hundertwasser und Modersohn. Kalenderbilder und Fotografien dienten dabei ebenso als Vorlage wie die genaue Beobachtung von Perspektive und Schatten. Die eigenen Motive entstünden im Kopf, erklärt Sengelaub, und fänden ihren Weg über Arm, Hand, Pinsel und Farbe auf die Leinwand. Gemalt wird ausschließlich mit Acrylfarbe – nicht zuletzt, weil sie schneller trocknet als Öl.
Ausstellungen zu organisieren und die Pressearbeit zu übernehmen, das war über viele Jahre die Aufgabe seiner Frau. Mit sichtbarer Freude blättert sie noch heute durch alte Gästebücher, erinnert sich an Begegnungen und Gespräche. Sengelaubs Werke wurden unter anderem in Worpswede, Bad Zwischenahn, Cuxhaven und Spieka ausgestellt. „Bäume und Eulen, das ist meine Welt“, sagt der Maler heute. Maritime Motive, in der Küstenregion sonst allgegenwärtig, sucht man in seinem Repertoire bewusst vergeblich.
Gemalt wurde früher im Altenwalder Haus in einer Abseite. Dort hatte Sengelaub ausreichend Platz für Staffelei und Farben. Oft saß er fünf Stunden am Stück an der Leinwand – ohne zu essen oder zu trinken. Durchschnittlich drei Tage in der Woche malte er, während seine Frau las, schrieb oder Opern hörte. „In unserem Haus hatte jeder seinen eigenen Raum“, sagt sie. Die gemeinsame Zeit verbrachten sie unterwegs, besuchten Ausstellungen und ließen sich inspirieren.
Besonders ist der Blick des Künstlers auf seine eigenen Werke: Zufrieden ist er nach getaner Arbeit nie. „Ich mag keines meiner Bilder leiden“, sagt Sengelaub selbst. Seine Frau widerspricht schmunzelnd und beschreibt ihn als ausgesprochen selbstkritisch.
Ein Sturz des Malers, ein anschließender Krankenhausaufenthalt und die Unterbringung in der Kurzzeitpflege führten schließlich zur gemeinsamen Entscheidung, das Altenwalder Eigenheim zu verkaufen und ins DRK-Altenheim am Schlossgarten zu ziehen. Heute leben sie räumlich deutlich eingeschränkter als früher. Über 100 Bilder sind derzeit bei einer Bekannten eingelagert, im Appartement konnte nur eine kleine Auswahl an den Wänden Platz finden. „Mein Vater war Uhrmacher“, erzählt Inse Georgi-Sengelaub. „In meiner Kindheit hingen die Wände voller Uhren – heute sind es Bilder.“
Besonders schmerzhaft war vor dem Umzug die Abgabe der vier Katzen. Frau Georgi-Sengelaub bezeichnet diesen Schritt als den größten Akt der Liebe. „Es war das Schwerste von allem.“
Und doch blicken beide nach vorn. Bei gutem Wetter wird heute auf dem Balkon gemalt. Während der eher zurückhaltende Künstler Ruhe sucht, schätzt seine kommunikative Muse die Gemeinschaft und Abwechslung im Haus sehr. „Wir fühlen uns hier sehr wohl und wirklich gut betreut“, sagt sie. Die Veränderung sei einschneidend gewesen – aber getragen von gegenseitiger Stärke.
„Wir sind zwei Steinböcke und nehmen es so, wie es kommt. Wir halten durch.“