Unter dem Motto „Kirche mal anders“ lädt die Kirchengemeinde Lamstedt regelmäßig zu Gottesdiensten in ungewohnten Formaten und an unterschiedlichen Orten ein. Jetzt feierte die Gemeinde erstmals einen „Menschendienst-Gottesdienst“, bei dem nicht allein der Pastor im Mittelpunkt stand, sondern Menschen aus der Region, die sich in besonderer Weise für andere einsetzen.Pastor i. R. Michael Schwieger entwickelte das neue Format gemeinsam mit Pastor Peter Seydell. „Die Bedeutung der Kirche nimmt immer weiter ab, wir brauchen neue, moderne Angebote“, erklärte Schwieger. Der Gottesdienst sollte deshalb vor allem eines: Menschen in den Mittelpunkt rücken, die sich ehrenamtlich engagieren und damit Gemeinschaft gestalten. Dank Eleonore Häusler wurde das Engagement des DRK-Ortsvereins Hollen vorgestellt. Eleonore Häusler berichtete, wie sie vor rund 20 Jahren durch ihre eigenen Kinder zum Ortsverein kam. „Erst waren meine Kinder bei den Adventsfeiern aktiv, dann haben wir das JRK in Hollen gegründet.“ Aus dem anfänglichen Engagement für die eigenen Kinder entwickelte sich eine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit. Heute steht Häusler an der Spitze des DRK-Ortsvereins Hollen.
Der Ortsverein steht dabei für weit mehr als klassische Rotkreuzarbeit. Mit Sportgruppen für Erwachsene, Seniorennachmittagen mit Angeboten für Geist und Körper, Kreativangeboten sowie Veranstaltungen in der Adventszeit bietet das DRK zahlreiche Möglichkeiten für Begegnung und Gemeinschaft. Besonders beliebt sind die Adventsfeier im Dörphuus und der „Lebendige Advent“ mit einer Krippe am Dorfplatz. So verbindet der Ortsverein Generationen und schafft immer wieder Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam aktiv zu sein.Für Häusler ist dabei vor allem der Gedanke des Miteinanders entscheidend: „Einfach mal machen – denn ein Füreinander wird zu einem Miteinander.“ Ein Satz, der zugleich gut zum Gedanken des besonderen Gottesdienstes passte: Ehrenamt beginnt häufig mit einer kleinen Idee oder dem Entschluss, sich einzubringen – und kann daraus eine Gemeinschaft entstehen lassen, von der viele profitieren.
Den musikalischen Auftakt übernahm Andrea Scheffler aus Abbenseth, die seit mehr als 20 Jahren in der Gitarrengruppe aktiv ist. Gemeinsam mit vier Sängerinnen sorgte die Gruppe für eine besondere musikalische Begleitung. Scheffler berichtete, dass die Gruppe nicht nur bei Veranstaltungen auftritt, sondern auch Altenheime und Tagespflegen besucht: „Mit Musik erreicht man alte oder demente Menschen viel schneller und kann Freude schenken. Musik ist Medizin für die Seele.“ Stellvertretend für die Feuerwehren der Region sprach Marco Hildebrandt aus Hollen über den ehrenamtlichen Einsatz. Rund 50 aktive Kameraden zählt die Hollener Wehr derzeit. Nachwuchsgewinnung und die Bereitschaft, anderen Menschen in Not zu helfen, bleiben wichtige Themen. Ebenfalls vorgestellt wurde die im Frühjahr gestartete Rehkitz- und Bodenbrüterrettung mit einer Drohne und Wärmebildkamera. Auf Initiative von Uwe Müller hatte die Jagdgenossenschaft Hollen eine rund 9.000 Euro teure Drohne angeschafft. Die Finanzierung wurde unter anderem durch die Bingo Umweltstiftung, Banken, Landwirte und weitere Sponsoren ermöglicht. Vier Hollener absolvierten den erforderlichen Pilotenschein. Über mehrere WhatsApp-Gruppen werden die Einsätze mit Landwirten, Piloten und weiteren Helfern koordiniert. In diesem Jahr konnten bereits 47 Rehkitze vor dem sicheren Mähtod bewahrt werden.
Pastor Seydell und Pastor i. R. Michael Schwieger dankten allen Beteiligten für ihren Einsatz. „Hier sollten Menschen in den Blick genommen werden, die sich für andere einsetzen“, fasste Schwieger den Gedanken des ersten Menschendienst-Gottesdienstes zusammen.Ein Gottesdienst, der damit vielleicht auch eine ganz einfache Botschaft vermittelte: Gemeinschaft lebt davon, dass Menschen nicht nur aufeinander schauen, sondern füreinander da sind.

